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Zeitzeugen - sie waren von Anfang an dabei!

Im Folgenden kommen Pioniere, prominente Wegbegleiter und CAD/CAM-Anwender der ersten Stunde zu Wort. Durch ihre individuellen, digitalen Erlebnisse und Erfahrungen wird deutlich: Der technologische Fortschritt der letzten 25 Jahre ist rasant!


Edmund Dressler:

Als Adi Drotleff Mensch und Maschine gründete, war ich mehr als skeptisch. Wie konnte man eine CAD-Firma nur so nennen? Niemand anders kam auf solche Ideen. Aber er hatte schon vor AutoCAD mit den Partnern von TCAE auf Kleinrechner gesetzt, nur eben mit sehr speziellen Programmen, die sich nicht gut verkauften. Aber AutoCAD! Als ich 1983 auf der Hannover Messe vom HP-Stand aus sah, was die Autodesk-Gründer am Stand gegenüber für einen Riesenandrang hatten, war mir klar, dass hier etwas auf den Markt kam, das den damaligen CAD-Größen noch erhebliches Kopfzerbrechen bereiten würde.

Ich kam von McDonnell Douglas. Dort hatten mir die Spezialisten erklärt, dass es hunderte von Mannjahren Entwicklung braucht, um so ein System zu bauen. Und riesige Rechner seien zum Betrieb erforderlich wegen der ungeheuren Anforderungen an die Grafikleistung. Und da sollte etwas Vergleichbares auf einem winzigen PC erfolgreich sein? Das konnte ich mir zunächst überhaupt nicht vorstellen.

Adi Drotleff hat einmal zu mir gesagt: "Wenn Leute wie Sie und ich nicht anders wären als die meisten, dann könnte ja jeder so etwas machen.“ Und das stimmte. Er hatte mit MuM und dem Vertrieb von PC-CAD genauso unbekanntes Territorium betreten wie ich zwei Jahre zuvor mit der Gründung des CAD-CAM REPORT als erster Fachzeitschrift in diesem Bereich für Deutschland. Es kommt nicht nur darauf an, die richtige Situation zu haben. Man muss sie auch erkennen und genau den richtigen Zeitpunkt treffen, um sie zu nutzen. Das konnten wir beide gut.

Adi Drotleff hat besonders gut verstanden, was meine Großmutter immer so ausgedrückt hat: „Fingerlang gehandelt ist besser als armlang geschafft.“ Im Handel mit dem richtigen Produkt steckt erheblich größeres Potenzial als in der Entwicklung und Fertigung. Aber Mensch und Maschine hat gleichzeitig sehr früh damit begonnen, nicht nur auf die Produkte von Autodesk zu setzen, sondern sehr stark auch auf eigene Entwicklungen. Diese Mixtur war auch ein Teil des nachhaltigen Erfolgs.

 

Elke Rudershausen:

Als ich 1980 die Seiten von der technischen Entwicklungsabteilung eines Großunternehmens hin zur schreibenden Zunft wechselte, begann das Interesse an CAD stark zu wachsen. Teure, mächtige Systeme waren auf dem Markt, die sich nur gut betuchte Großunternehmen leisten konnten.

Mancher Unternehmer aus dem Klein- und Mittelstand schielte neidisch auf das neue komfortable Konstruktionshilfsmittel. Warum ging das nicht preiswerter?

Für genau diesen Marktbereich gab Adi Drotleff 1984 die richtige Antwort: Er hatte den Mumm, MuM zu gründen.

Von Anfang an hatte ich die Chance, Adi Drotleff als Redakteurin für Fachmagazine aus dem Bereich CAD/CAM zu beobachten und zu begleiten. Manche meiner Kollegen haben ihn anfangs etwas mitleidig belächelt und gemeint: „Wie kann eine so anspruchsvolle Aufgabe wie CAD auf einem PC laufen“. Wie heißt es aber „wer zuletzt lacht, lacht am besten“ und Adi Drotleff konnte bis heute schon 25 Jahre lang lachen.

Mir persönlich haben all die Jahre die vielen Interviews mit Adi Drotleff großes Vergnügen bereitet. Seine Antworten auf meine Fragen waren immer sehr direkt und offen. Auch wenn er mir dann beim Korrekturlesen zur Druckfreigabe des Textes einige seiner prägnanten Aussagen wieder gestrichen hat, waren doch die Interviews mit ihm die lebendigsten.

 

Ulrich Sendler:

Als ich – 1981 bei Kolbenschmidt – CAD kennenlernte, waren die Systeme auf dem Markt noch so teuer, dass viele Unternehmen ihr CAD lieber selbst entwickelten. Mit einem Grafik-Computer mit grüner Vektor-Grafik, und einem separaten Textbildschirm für die Befehlseingabe. Den PC gab es noch nicht, nicht einmal UNIX-Workstations.

Mensch und Maschine und Adi Drotleff lernte ich kennen, als ich 1987 im Dressler Verlag in die Redaktion kam. Und bei MuM habe ich eine AutoCAD Einführung bekommen, damit ich das System testen konnte. Der Bericht hieß dann: „Die Neunte – von AutoCAD“, denn ich war ziemlich beeindruckt davon, was man zu diesem Zeitpunkt schon mit CAD auf dem PC machen konnte.

Adi Drotleff ist ein ungewöhnlicher Unternehmer. Einer mit untrüglichem Gespür für die richtigen unternehmerischen Entscheidungen, der aber gleichzeitig seinen Mitarbeitern und Partnern genügend Raum lässt, sich zu entfalten. Ich kenne die ganze Branche seit vielen Jahren, aber eine so geringe Fluktuation wie bei MuM habe ich - wenn überhaupt - höchst selten erlebt.

CAD war in den letzten 30 Jahren die treibende Kraft in der Revolutionierung der industriellen Produktentwicklung. Hier nahm die Digitalisierung des gesamten Engineering ihren Anfang, und von hier nähren sich auch alle folgenden technologischen Neuerungen: Digital Mock-up, Virtual Reality, Simulation und Virtual Prototyping, Digitale Fabrik. Mensch und Maschine hat dabei insbesondere im deutschsprachigen Raum eine wichtige Rolle gespielt, vor allem in der massenhaften Verbreitung des Systems AutoCAD, das CAD von der Ebene der high-sophisticated Ausnahmewerkzeuge für die Großkonzerne zu einem Tool auch für die kleinen und mittelständischen Unternehmen gemacht hat.

 

Uli Seng:

Eigentlich wollten wir 1984 – im selben Jahr, als Adi Drotleff Mensch und Maschine gründete – Software für Leiterplattenentwicklung anbieten (SPEA = Systeme für professionelle Elektronik und Automation), aber dann sahen wir, dass es an der Grafikunterstützung fehlte. Also bauten wir Grafikkarten. SPEA hatte damals die schnellste Grafikkarte zur Darstellung eines AutoCAD-Drahtmodells der Columbia-Raumfähre. Einer unserer Händler war Mensch und Maschine. Ich glaube, wir haben ihnen das Leben nicht gerade leicht gemacht damals. Und ausgerechnet der größte Konkurrent von MuM, Computer 2000, saß bei uns im Aufsichtsrat.

Vor 25 Jahren war CAD ein Thema, mit dem man schnell Geld verdienen konnte, und viele, viele haben das getan oder versucht. Der einzige, der darin ein langfristiges Produkt und Geschäftsmodell gesehen hat, der einzige, der übrig ist von den Vielen, ist Adi Drotleff.

Ich bewundere ihn dafür, wie er mit absoluter Unbeirrbarkeit seine Ziele verfolgt hat. Er hat sich von nichts und niemandem beirren lassen und war dabei auch noch überaus erfolgreich.

Einer der wichtigsten Gründe für seinen Erfolg ist meiner Meinung nach, dass er es wie kein zweiter verstanden hat, seine Mitarbeiter zu begeistern und an sein Unternehmen zu binden.

Mensch und Maschine hat immer Nischen gesucht, die sonst niemand besetzt hatte, und diese Nischen dann groß gemacht. CAD auf dem PC! Wer hat denn 1984 geglaubt, dass genau das alles andere hinter sich lässt?

 

Professor Sandor Vajna:

Wir waren 1984 bei Freudenberg einer der ersten Anwender der CAD-Systeme von Calma. Das System mit einer VAX 11/750 (mit 4 MB Hauptspeicher...) und zwei „Clamshell"-Arbeitsplätzen (bestehend aus einem grafischen und einem alphanumerischen Bildschirm, die mit einer großen sogenannten Hutze vor Lichteinfall geschützt wurden) sowie der DDM-Software verschlang 1,2 Millionen DM. CAD auf dem PC wie AutoCAD? Das war für uns nicht als Alternative denkbar, denn damit wurde ja „nur das Reißbrett elektronisiert“. Uns ging es aber schon damals um die Nutzung der CAD-Daten in den nachfolgenden Arbeitsschritten. Wir dachten über die Kostenstelle hinaus.

Was den Erfolg von AutoCAD ausmachte, war die Tatsache, dass die Konstrukteure eben nicht umdenken, sondern nur das manuelle Zeichnen auf den PC verlagern mussten. Es war sofort hilfreich. Bei unseren Konzepten mussten die Entwickler erst einmal eine neue Denkweise lernen und wir mussten viele Programme rund um das System schreiben, bevor es sich – dann allerdings auch in ganz anderem Umfang – rentierte.

Und positiv bei AutoCAD war natürlich: Damit bekam jeder Konstrukteur exklusiv sein eigenes CAD-System. Bei uns mussten sich mehrere einen CAD-Arbeitsplatz teilen, daher brauchten wir ein Belegungshandbuch für die CAD-Plätze.

Auf „verschlungenen Wegen" wurde AutoCAD dann bald im Baubereich und in der Gebäudeinstandhaltung eingesetzt (nicht unbedingt zu meiner Freude), wo man sehr dankbar war, nicht mit den bei uns im Maschinenbau üblichen Kosten rechnen zu müssen. Und um 1990 herum wurde AutoCAD für etliche Jahre auch bei Freudenberg das zentrale System im Maschinenbau.

Was mich damals beeindruckte, war die einfache Art und Weise, mit der Schraffuren angelegt werden konnten. Während allenthalben die Flächenränder noch einzeln anzuwählen waren, reichte hier ein einziger Klick in die geschlossene Fläche, und sie wurde schraffiert.

Ich habe damals nicht gedacht, dass Adi Drotleff so erfolgreich sein würde. Aber dass es bei ihm anders war, hat man bald gemerkt. Oft gab es Gerüchte, Mensch und Maschine stehe vor dem Aus, habe diese oder jene Schwierigkeiten. Und jedes Mal, wenn ich dann auf die Messe kam, sah ich wieder einen schöneren, größeren Stand als auf der Messe zuvor, und das Gerücht erwies sich ein ums andere Mal als Ente.

Wodurch Adi Drotleff sich unterscheidet? Er hatte immer den richtigen Riecher und erkannte genau, was der Markt brauchte. Er hat sich nie verbogen, war immer konsequent in seinen Schritten und hat mit klarer Linie und organischem Wachstum eine Kontinuität gezeigt wie nur sehr wenige andere, die es alle nicht auf sein Niveau gebracht haben.

 

Roland Zelles:

CAD hieß für mich 1984, als ich das Abitur machte, noch gar nichts. Zeichnungserstellung, dafür brauchte man Tuschestifte. Dass es von Rotring auch CAD gab, war mir noch nicht bewusst.

Beim Studium der Geodäsie anschließend gab es natürlich CAD. Ich arbeitete damals mit CADdy von Ziegler und entwickelte ein Datenbank-basiertes GIS-Modul dafür. Spätestens da war mir klar, dass man keine Tuschestifte mehr brauchen würde und Berechnen, Zeichnen, Modellieren und Visualisieren digital erledigen konnte.

Mein erster Arbeitgeber hieß Intergraph. Dort war ich für 6 Monate zur Entwicklung eines CAD-basierenden Call-Center Systems in Huntsville/Al und habe dieses System danach in Zentraleuropa erfolgreich eingeführt. Bis zu meinem Einstieg bei Autodesk Anfang 1996 war ich dort im Umfeld geografischer Informationssysteme verantwortlich.

Der Erfolg von Mensch und Maschine ist zu hundert Prozent der Erfolg von Adi Drotleff. Meiner Meinung nach ein wichtiger Grund neben seinem unternehmerischen Geschick: Er hat mit Autodesk von Anfang an auf das richtige Pferd gesetzt.
Wir sind nicht immer einer Meinung gewesen. Das Gute an Adi Drotleff ist: Er ist kein Partner, der kritiklos alles mitmacht. Er hat immer eine Meinung, und aus der macht er nie ein Hehl. Man kann ihn nicht überreden, sondern nur überzeugen. Und wenn man einen logisch denkenden Menschen wie ihn nicht überzeugen kann, dann hat man ein Problem. Die Auseinandersetzung mit ihm ist hilfreich. Man weiß bei ihm immer: Er fühlt sich verantwortlich dafür, dass das Autodesk-Geschäft läuft und sich weiterentwickelt. Ich bin froh, einen Partner wie Adi Drotleff und Mensch und Maschine zu haben.


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